Catharina Fischer: Mein Tag 2030

Es ist 7:45 Uhr. Mein Bett vibriert in steigernder Intensität und weckt mich aus meinem tiefen Schlaf. Eine halbe Stunde eher als gestern. Die Sensoren in meinem Bett sowie der Chip unter meiner Haut im rechten Arm werten den besten Zeitpunkt für mich aus, um in dem von mir eingegeben Zeitintervall aufzustehen. Gut so, denke ich, auch wenn ich natürlich grundsätzlich immer gerne länger schlafen würde.

Ich laufe rüber zur Küche und freue mich über einen frischen heißen Kaffee sowie frischen Orangensaft. Natürlich weiß die Kaffeemaschine, und so auch die Saftpresse, dass ich aufgestanden bin. Fast alle Geräte im Haus sind miteinander vernetzt und kennen meine Tagesabläufe sowie Vorlieben. Egal ob es um Wärme, die Wassertemperatur, das Licht, den Kaffee oder die frischgebackenen Brötchen geht. Letztere sollte ich langsam mal aus dem Ofen holen. Gedacht, getan.  Hatte sie gestern Abend dort hineingelegt, sodass der Ofen automatisch am Morgen starten kann.

Ich mache mir mein Frühstück und setze mich an den Küchentisch. Guter Zeitpunkt um die Nachrichten zu checken und was heute so ansteht. Meine Holo ist wie immer griffbereit. Ich hatte gestern Abend noch Lebensmittel bestellt und daher liegt sie hier in der Küche. Ich schmunzle, wenn ich an die erste Generation der Hololens denke. Wie beim Mobiletelefon waren die Brillen zu Beginn sehr klobig und weniger „elegant“. Die jetzige Generation ist fast schon unsichtbar mit dem dünnen Glas und randlosen Rahmen. Nicht zu unterscheiden von einer normalen Brille, auch wenn diese fast ausgestorben sind. Sicher gibt es schon vielversprechende Tests mit Implantaten in der Netzhaut, doch damit kann ich mich noch nicht anfreunden. Die jetzige Version finde ich perfekt und so tauche ich ein in die dreidimensionale Welt. Ich überfliege die Nachrichten bei Spiegel Online, ich prüfe den Verkehrsstatus meines mobilen Abo-Services, mein Auto-Shuttle wird wohl 5 Minuten später kommen (wie immer), und natürlich schaue ich nach dem Wetter. Sonnig aber windig wird es heute und so gehe ich gleich mal rüber zum Kleiderschrank. Beim öffnen des Schranks markiert meine Holo geeignet Sachen für mich. Ich wähle entsprechend aus und mach mich auf ins Bad. Bevor ich meine Holo für die tägliche Gesichtspflege absetze, hilft sie mir noch die Zähne korrekt zu putzen und auf Schwachstellen hinzuweisen. Mein Gebiss sehe ich vor mir projiziert und jede Bewegung der Zahnbürste wird mitverfolgt. Ich weiß, dass meinem Zahnarzt jede Zahnreinigung übermittelt wird und so achte ich auf eine gründliche Ausführung. Beim nächsten Besuch gibt es wieder eine Auswertung und darauf basierend werden meine Leistungen und Kosten bestimmt.

Aus dem Bad hinaus, angezogen und meine Holo aufgesetzt, starte ich meinen Arbeitstag. Eine Stimme flüstert mir ins Ohr, dass mein Auto-Shuttle gleich da ist und ich langsam vor das Haus gehen sollte. Ich hätte nie geglaubt das ich wirklich mal Auto fahre, denke ich so beim reingehen in den Fahrstuhl. Früher, als man die Autos noch selber steuerte, hatte ich wenig Interesse daran. Viel zu stressig und nervig. Jetzt, wo diese autonom unterwegs sind, setze ich mich rein und kann arbeiten bzw. gleich dann ein Meeting mit meine Kollegen abhalten. Dafür habe ich extra eine Alleinbesetzung des Wagens gebucht, denn grundsätzlich habe ich Mitfahrer, was mein Monatsbudget für mobile Fahrdienstleistungen weniger beansprucht. Unten angekommen steht mein Shuttel schon da. Ich steige ein und eine nette Frauenstimme begrüßt mich mit dem Satz: „Willkommen zurück bei readycar! Schön, dass sie wieder unser Gast sind.“ Readycar denke ich und spreche es leise nach während ich auf die Armatur des Autos schaue. Vor 10 Jahren fanden sich da noch die Logos der großen deutschen Automarken. Nun gibt zwei große Anbieter, readycar und easycar, im Markt für autonome Auto-Shuttles. Beides Zusammenschlüsse der großen deutschen Automarken sowie der Deutschen Bahn. Die Zeiten ändern sich.

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