Roland Trebo: Mein Tag 2030

06.30 Uhr. Musik und die aufgehende Sonne überzeugen mich aufzustehen und die Decke nicht doch nochmal über meinen Kopf zu ziehen. Ich bitte Alexa mir das Frühstück zu bereiten, die Wohnung zu lüften und mir die News vorzulesen. Alte Gewohnheit. Alexa weiß das eigentlich. Aber es ist schön das Gefühl zu haben, Alexa sagen zu können was sie machen soll.

„Alexa, was gibt es neues“

Es hat wieder Unruhen gegeben in einigen großen Städten. Diese gibt es fast täglich. Sie richten sich zum einen gegen die Flüchtlinge, zum anderen sind es Demos gegen die Automatisierung, gegen die Politik, für mehr Geld. Die Menschen sind unzufrieden und zeigen das beinahe täglich. Zudem gibt es immer wieder Anschläge verschiedener Extremisten. Die Welt ist unruhig geworden. Immer wieder erinnere ich mich an die Zeiten zurück, in denen man gerne diskutierte, Meinungen austauschte, versuchte, konstruktiv etwas weiterzubringen. Aber das ist vorbei. Vieles hat sich gewandelt. Fakten zählen nicht mehr.

Arbeiten oder arbeiten lassen? Beides!

Mein Tesla kommt grad von einer Fahrt zurück und stellt sich in die Garage zum Aufladen. Perfektes Timing, in 15 Minuten muss ich los, bis dahin sind die Akkus wieder voll und das Auto geputzt.
10 Fahrten hat er seit gestern Abend alleine erledigt, Leute von A nach B, insgesamt 200 km gefahren, für mich 50 Euro verdient.
Ich steige ein und lasse mich zum ersten Kundenbesuch bringen. Unterwegs fällt mir ein, dass ich für den Abend noch einen Tisch im Restaurant reservieren muss, Alexa reget das und empfiehlt mir auch gleich noch, was ich am Abend essen könnte.

Es ist wenig los auf der Straße, es ist Sommer, viele Leute sind im Urlaub. Einige Reinigungsroboter sind unterwegs. Aber es ist generell ruhiger geworden auf den Straßen. Viele besitzen kein Auto mehr und greifen auf eines der vielen Carsharing Programme zurück. Die Mobilität hat sich verändert. Weniger Autos, weniger Busse, weniger Züge. Alles wurde ersetzt durch die selbstfahrenden Autos. Tesla, Google, Apple haben hier alles revolutioniert. In einer Geschwindigkeit, die sich niemand vorstellen konnte. Der Google Carsharing Dienst ist sogar kostenlos, dafür wird man mit Werbung berieselt.

Alles anders – alles bebt

Aber nicht nur die Mobilität hat sich verändert. Es gibt weniger Arbeit. Viele neue Berufsbilder sind zwar entstanden, aber im Allgemeinen ist Arbeit mittlerweile ein Privileg der hoch Qualifizierten bzw der unqualifizierten Arbeiter. Sehr viele Jobs wurden abgebaut, ersetzt durch künstliche Intelligenz, durch Automation. Es wird immer noch diskutiert, ob man in Italien und Deutschland ein Grundeinkommen einführen sollte nach dem Vorbild Finnlands und Schwedens. Aber das kann noch etwas dauern… ich bin mir ziemlich sicher, dass der Berliner Flughafen vorher öffnet. Pflegeberufe sind nach wie vor gefragt, aber auch Handwerker.

Unabhängig von der Diskussion zum Grundeinkommen geht die Schere zwischen gut gestellten Menschen und Menschen, die ums Überleben kämpfen immer weiter auseinander. Und damit auch der Neid, die Auseinandersetzungen und die Handgreiflichkeiten. Wie auf sehr vielen Gebieten haben sich auch die Fronten zwischen den Menschen, die die neuen Technologien nutzen und denen, die sie ablehnen, stark aufgeladen. Und auch hier zählen keine Fakten mehr. Nur Gefühle und Ängste.

Refuges welcome?

Was sich noch geändert hat ist die Bevölkerungszahl meiner Heimatstadt in den Bergen, die sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt hat. Hauptgrund dafür sind die Kriegs-Flüchtlinge aus Afrika und dem Balkan, aber auch die Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge , speziell aus Süditalien und Afrika, die sich in die „kühlen“ Berge gerettet haben. Bruneck gehört immer noch zu den reichsten Kleinstädten Italiens, aber auch hier hat die Armut mittlerweile Einzug gehalten. Kleinkriminelle und Bettler gehören auch zu den aktuellen „Berufsbildern“ in meiner Stadt.

Mein erster Kundenbesuch ist bei einem Hotel. Eines der vielen Hotels, die alles verschlafen haben und somit in großen Schwierigkeiten sind. Auch hier hat die Zeit ihre Zeichen hinterlassen, und viele Hotels sind noch am Stand von 2010. 0 Investitionen, fast schon wieder stylisch Retro. Der Besitzer, mittlerweile ein Freund von mir, versteht schon lange nicht mehr, was die Menschen eigentlich wollen, und das sieht man an seinem Betrieb. Hier gibt es noch Zimmerschlüssel, 32″ LCD TV’s, sogar WLAN wird hier noch angeboten, wo die Gäste doch mit Googles 6G Netz keinen Fremdanschluss brauchen. Auch dieser Service von Google ist kostenlos und finanziert sich über Werbung.

Werbung ist auch zu einem immer präsenten Thema geworden. Oder besser gesagt, für mich relevante Verkaufsinformationen. Immer wieder scarry. Und doch ein Königreich voller Möglichkeiten für einen Werbetreibenden 🙂

Aber weiter geht es zum nächsten Kunden, more to come 🙂

Leave a comment