Florian Bauhuber: Mein Tag 2030

2030, gar nicht mehr so lange hin. Ich bin 51 Jahre alt, mitten im Leben – früher hat man wohl gesagt, kurz vor der Rente. Ich starte meinen Tag wie immer mit einem Blick auf mein Smartphone um den Wecker auszuschalten. Ich würde sogar wetten darauf, dass es immer noch ein iPhone ist, und zwar das iPhone 15, das sich unmerklich vom heutigen iPhone unterscheidet. Auch die nächsten Punkte (Morgentoilette, Duschen, etc.) werde ich erledigen wie heute auch schon: allerdings nicht mit dem Ziel mich auf meine Rente vorzubereiten. Welche Rente eigentlich? Ich will gar nicht in Rente gehen, nicht heute und auch nicht im Jahr 2030 – oder im Jahr 2050 – wohl ein realistischen Renteneintrittsalter: 71, krass oder? Mein Ziel ist nicht die Rente, mein Ziel ist ein erfülltes Leben, gern bis zum Ende.

Leben ohne Grenzen?

Wir leben im Jahr 2030 nicht um zu arbeiten und wir arbeiten auch nicht um zu leben. Leben und Arbeiten ist eins, Freizeit und Arbeit verschmilzt zu einem Leben ohne klare Grenzen. In Folge lese ich bereits auf der Toilette private Nachrichten ebenso wie Emails, meine privater Heimat ist gleichzeitig mein beruflicher Heimat. Wobei Heimat wohl der falsche Begriff dafür ist. Ich lebe im Jahr 2030 hoffentlich noch flexibler als heute. Dort wo es Sinn macht zu leben, für mich und meine Familie. Da kommen wir wohl zum größten und offensichtlichsten Problem. Familie und die Zukunft von Arbeit, Wohnen und Freizeit in einem überregulierten Staat mit einem Bildungssystem aus dem letzten Jahrtausend. Wie soll das denn gehen? Wo sollen meine Kinder ausgebildet werden? Wie sehen enträumlichte, digitalisierte Bildungskonzepte aus? Fragen über Fragen, die man sich heute stellen müsste, um 2030 darauf vobereitet zu sein. Vor allem in der Bildungspolitik mahlen die Mühlen langsam; zu langsam für eine dynamisierte Welt.

Ein gesünderes Leben dank des Regulativs oder der Technik?

In Folge wird das Regulativ Grenzen setzen… physische, räumliche und strukturelle! Das in einer Welt in der die Digitalisierung und die Globalisierung fortschreiten werden. Mein intelligenter Kühlschrank wird immer voll sein, da er direkt mit meinem AmazonFresh-Account verknüpft ist und automatisch frischen Jogurt, Obst & Gemüse nachbestellt. Dadurch leben wir hoffentlich gesünder und länger! Wo wir wieder bei der Nicht-Rente wären. Aber das ist ein anderes Thema und das hatten wir schon. Das gesündere Leben wird hoffentlich auch dadurch verstärkt, dass ich mehr Zeit für Sport und Bewegung habe. Diese erhoffe ich mir durch mehr Zeit für meine Arbeit während des Reisens. Ich fahre nämlich heute zu 99 % mit dem Auto zu meinen Kunden – diese Zeit wird durch mein autonomes Auto wohl hoffentlich in Arbeitszeit verwandelt werden. Zudem bin ich davon überzeugt, dass wir im Jahr 2030 nicht mehr über ein bedingungsloses Grundeinkommen reden müssen, da es schon existent sein wird. In Folge kann ich ruhigen Gewissens auch Entscheidungen für meinen Körper treffen, auch wenn das vielleicht bedeutet, kurzfristig weniger Umsatz in meiner Firma zu produzieren – aber wer rechnet schon kurzfristig! Ein erfülltes Leben erzeugt man nicht an einem Tag, sondern man schafft die Basis für ein nachhaltiges Leben.

Ein gesünderes Leben dank Technik? Foto: GregSnell

Soziotechnische Konstellationen: Verwicklung nimmt zu

Im Bezug auf Mensch und Technik leben wir in einer sehr spannenden Zeit. Im Jahr 2030 wird Technik uns noch deutlich mehr unterstützen – oder sollen wir bevormunden sagen? Technologie wird uns helfen gesünder (Quantified Self), länger (Bionik) und smarter (Smart Data & KI) durchs Leben zu gehen – sie wird uns Entscheidung abnehmen, wie wir es heute schon aus den Navigationssystemen kennen. Kennt Ihr den Film Wall E – das wird auch eine unsere Zukünfte sein. Eine in der wir durch eine zentrale künstliche Intelligenz versorgt, gepflegt, umgarnt werden, im Film Otto genannt. Otto heißt übrigens im englischen Original Auto – spannend, oder? Leider hat unsere Automobilindustrie diesen Film nicht im Original gesehen; unser Otto wird 2030 nicht Auto heißen… sondern Alexa, Google, Siri usw. In Folge werde ich meine Wünsche an meinen Assistenten richten oder noch besser, er kennt meine Wünsche und meinen Tagesablauf eh viel besser als ich – er wird mir sagen, was gut für mich ist: und ich werde es glauben… und tun… und kaufen. Ich sollte Aktien kaufen für 2030, ist wohl besser für meine Rente – sagt mir jetzt ja noch keiner. 2030 wird mir Google sagen, das ich Google Aktien kaufen soll… auch irgendwie absurd. Ich habe übrigens jetzt schon keine deutsche Aktie in meinem (Renten-)Portfolio… sagt irgendwie alles.

Leben und Arbeiten in einer technisierten Welt! Foto: GregSnell

Und Arbeit und so?

Achja, arbeiten muss ich noch… aber es fühlt sich, wie oben schon geschrieben, nicht so an. Ich werde immer noch sehr viel zu tun haben, glaub ich, hoffe ich… Der Wandel in der Digitalisierung wird auch 2030 noch nicht abgeschlossen sein, auch wenn das viele hoffen. Die Entwicklungsgeschwindkeit wird zunehmen und es wird auch 2030 eine Frage der Haltung sein, ob es Menschen schaffen die technologischen Veränderungen für sich in Wert zu setzen. Ich wünsche mir von mir selbst, dass ich mir meine Haltung behalten kann – das nehme ich mir vor für 2030 – und Du?

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